Bürgerantrag Kiesgrube

August 2009

Keine neue Kiesgrube in Kirchseeon - Raumordnungsverfahren gefordert

Das Kiesquetschwerk Eisenschmid aus Moosach will in Kirchseeon eine weitere riesengroße Kiesgrube ausheben. Der Antrag wurde im Gemeinderat am 13. Juli 2009 behandelt. Auf Vorschlag von Bürgermeister Udo Ockel stimmte der Gemeinderat knapp mit zehn zu neun Stimmen dem Antrag zu und erteilte das gemeindliche Einvernehmen.

Die Kirchseeoner SPD, die örtliche Vertretung des Bund Naturschutz, die Gemeinderatsfraktion der Grünen und die Vorstandschaft des Ortsverschönerungsvereins wollen, dass der Gemeinderatsbeschluss rückgängig gemacht wird. Die Genehmigung eines derart großen Vorhabens darf nicht – unabhängig von der Lage eines zukünftigen Abbaugebietes – aufgrund einer Privilegierung erfolgen. Wir fordern ein Raumordnungsverfahren bei dem gültige Ausweisungen von Landschafts-, Regional- und Flächennutzungsplan berücksichtigt werden.

Es wurden über 600 Unterschriften für einen Bürgerantrag gesammelt und am Montag, den 7.09.2009 in der Gemeindeverwaltung abgegeben. Der Antrag wird in der Gemeinderatssitzung am 28.09.2009 behandelt.

Worum geht’s eigentlich?

Unmittelbar im Anschluss an die Unterrichtsräume des Berufsförderungswerks, ganz nahe an der von der Gemeinde betriebenen Kinderkrippe soll das zwanzig Meter tiefe Loch auf einer Fläche von 41.000 m² (das sind mehr als sieben Fußballfelder) entstehen. Der Grundstückseigentümer aus Fürmoosen hat wegen Käferbefall den Waldbestand abgeholzt. Aufgrund des Waldgesetzes ist er zur Wiederaufforstung verpflichtet. Denn diese Fläche ist im gemeindlichen Flächennutzungsplan als Waldgebiet geschützt. Der gemeindliche Landschaftsplan plant dieses Gebiet sogar als künftigen Bannwald. Im Regionalplan für den Großraum München ist dieser Wald für Erholung und Klimaverbesserung als landschaftliches Vorbehaltsgebiet ausgewiesen.

Der derzeitige Grundstückseigentümer will das Grundstück jetzt an das Moosacher Kieswerk veräußern. Wird das Grundstück zum Kiesabbau genutzt kann sich sowohl der jetzige als auch der neue Grundstückseigentümer die Wiederaufforstung ersparen.

Das Gebiet der Marktgemeinde Kirchseeon hat bereits in der Vergangenheit und Gegenwart Flächen für vier Kiesgruben ausgewiesen, die eine Versorgung der örtlichen und sogar der überörtlichen Bauwirtschaft sicherstellt: eine davon befindet sich neben dem Komposthof in Eglharting und wird von der Firma Held genutzt, die riesengroße noch für 100 Jahre ausreichende mächtige Grube in Buch wird von der Kiesunion ausgebeutet. Die kleine landwirtschaftliche Kiesgrube an der Deinhofer Straße ist stillgelegt und die größere Schuller-Kiesgrube an der Moosacher Straße ist seit ca. 40 Jahren außer Betrieb und wartet immer noch auf die Wiederverfüllung. Der ehemalige und heutige Betrieb der Gruben stellt bereits eine erhebliche Belastung und Verunstaltung des Gemeindegebietes dar.

Die Ausweisung der neuen Abbaugebietes neben dem BFW hat für die Kirchseeoner Bevölkerung erhebliche Konsequenzen:

  • Deutlich zunehmender Schwerlastverkehr durch den Ort für die Ausbeutungszeit und die ebenfalls viele Generationen andauernde Rekultivierungszeit.
  • Die bisherigen Erfahrungen mit den bestehenden Kiesgruben zeigen, dass ihre Rekultivierung nie endet.
  • Zunehmende Gefährdung durch den Verkehr entlang des Schulwegs zum Gymnasium, vorbei an Kindereinrichtungen und Seniorenwohnheim.
  • Deutliche Verschlechterung der Wohnqualität für alle Anlieger und Anwohner entlang der Fahrrouten durch das ganze Gemeindegebiet.
  • Erhebliche Lärmbelastung durch den maschinellen Abbau.
  • Schon jetzt fahren die Eisenschmid-Laster im merklichen Umfang durch Kirchseeon, weil die Firma eine in Zorneding an der neuen B304 liegende Grube ausbeutet und das Material nach Moosach ins Quetschwerk fährt. Diese Situation wird sich um ein Vielfaches verschlimmern.

September 2009

In der Gemeinderatssitzung am 28.09.2009 wurde der eingereichte Bürgerantrag für zulässig erklärt.

Der Marktgemeinderat hat den Beschluss vom 13.07.09 aufgehoben und damit seine Zustimmung zurück genommen und das gemeindliche Einvernehmen widerrufen. Bürgermeister Udo Ockel, Gerda Rothhaupt, Peter Kohl, Christoph Rothbauer und Alfons Bauer von der CSU stimmten dagegen.